2303 Logo Waldorf Bayern 500pix

Was lernen Schülerinnen und Schüler beim Malen, Musizieren, Zeichnen, Stricken, Nähen, Töpfern oder Werken? An einer Waldorfschule sind solche Fähigkeiten eigene Wege des Lernens.

Kinder und Jugendliche erschließen sich die Welt nicht nur über den Kopf, sondern auch über Wahrnehmung, Bewegung, Gefühl und eigenes Tun.

Zeichnen und Malen: genauer hinsehen

Beim Zeichnen lernen Schülerinnen und Schüler, Formen abzubilden. Gleichzeitig passiert noch viel mehr: Sie lernen, genauer hinzusehen und Formen bewusst wahrzunehmen. Beim Malen kommt die unmittelbare Erfahrung von Farbe hinzu: Wie wirken Farben aufeinander? Was verändert sich, wenn eine Farbe neben eine andere gesetzt wird?

In diesem Sinn geht es darum, die Welt zunächst aufmerksam zu erleben, bevor sie begrifflich festgelegt wird. „Unsere Kinder müssen lernen, den Kreis, das Dreieck und das Quadrat zu fühlen“, formulierte Rudolf Steiner.

Plastizieren: mit den Händen verstehen

Beim Arbeiten mit Ton oder Wachs wird eine Form mit den Händen erforscht und gestaltet. Schülerinnen und Schüler verbinden dabei Wahrnehmung, Vorstellung und Bewegung.

Sie erleben: Ich kann etwas wahrnehmen, eine eigene Vorstellung entwickeln und daraus etwas entstehen lassen. Wahrnehmen wird so unmittelbar mit eigenem Tun verbunden – und aus einer Idee wird Schritt für Schritt eine konkrete Form.

Musik: zuhören und gemeinsam gestalten

Singen und Instrumentalspiel schulen das Hören, die Aufmerksamkeit und das Gefühl für Rhythmus. Beim gemeinsamen Musizieren kommt eine soziale Erfahrung hinzu: Das eigene Spiel muss sich mit dem der anderen verbinden.

An einer Waldorfschule wird Musik deshalb nicht nur als Fertigkeit verstanden. Sie schafft einen Raum, in dem Schülerinnen und Schüler zuhören, sich konzentrieren, aufeinander reagieren und ihren eigenen Beitrag zu einem gemeinsamen Ganzen leisten.

Eurythmie: Lernen kommt in Bewegung

Auch die Eurythmie verbindet mehrere Ebenen des Lernens. Musik und Sprache werden in Bewegung übersetzt. Schülerinnen und Schüler müssen hören, wahrnehmen, sich orientieren und gleichzeitig bewusst handeln.

So wird Lernen körperlich erfahrbar. Der eigene Körper wird zum Instrument des Ausdrucks.

Handarbeit und Werken: Denken wird praktisch

Beim Stricken, Nähen, Weben oder Werken muss eine Idee Schritt für Schritt umgesetzt werden. Schülerinnen und Schüler planen, probieren aus, entdecken Fehler und suchen nach Lösungen.

Gerade darin liegt eine wichtige Lernerfahrung: Eine Vorstellung allein reicht nicht – sie muss sich an der Wirklichkeit bewähren. Rudolf Steiner brachte diesen Zusammenhang auf die Formel: „Aus den Gliederbewegungen, aus der Geschicklichkeit wird der Intellekt.“

An einer Waldorfschule bedeutet handwerkliches Arbeiten deshalb nicht weniger Denken, sondern Denken mit den Händen.

Gartenbau: lernen, dass die Welt ihre eigenen Gesetze hat

Im Gartenbau kommt eine besondere Erfahrung hinzu. Eine Pflanze lässt sich nicht einfach machen. Sie braucht Zeit, Pflege, Wasser, Licht und geeignete Bedingungen.

Schülerinnen und Schüler lernen dadurch zu beobachten, Verantwortung zu übernehmen und Geduld zu entwickeln. Sie erfahren: Nicht alles hängt von meinem unmittelbaren Willen ab – manchmal muss ich einen Prozess begleiten.

Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Die künstlerischen und handwerklichen Fächer erweitern damit den Lernbegriff. Schülerinnen und Schüler pauken nicht nur, wenn sie einen Sachverhalt verstehen oder eine Aufgabe richtig lösen. Sie lernen auch, wenn sie genau beobachten, etwas gestalten, einen Fehler korrigieren, zuhören, sich bewegen oder eine eigene Idee in die Wirklichkeit bringen.

An einer Waldorfschule sind Kunst und Handwerk deshalb andere Wege des Lernens. Sie verbinden Wahrnehmung, Vorstellung, Gefühl, Denken und Handlung – und geben Schülerinnen und Schülern die Erfahrung, dass sie die Welt nicht nur verstehen, sondern auch gestalten können.

Anschauliche Beispiele für diese Art des Lernens erleben Sie an den Veranstaltungen der bayerischen Waldorfschulen. 

Text: Tine Sprandel, Redaktion waldorf-bayern.de
Foto: artbovich, pexels

Interaktive Karte // Waldorfschulen